G***tex-Jacken : Gebrösel fuer viel Geld (Teil 2) ?!

From: P.VOLLMAR@LINK-GOE.zerberus.de (Peter Vollmar)
Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Re^3: G***tex-Jacken: Gebrösel fuer viel Geld!
Date: Fri, 23 Jun 1995 15:54:00 +0100

Hallo zusammen !

Das Interesse an dampfdurchlässigen Jacken scheint ja mächtig groß zu sein. Ich tippe euch mal Auszüge eines Artikels aus der Outdoor Professional News, Ausgabe Nr.5, erschienen im Rotpunkt Verlag. Hervorhebungen und Text in eckigen Klammern sind von mir.

Folgende Materialien waren im Test : [beachtet bitte deren willkürliche Wahl]

GTX 3Lagen The North Face
GTX 2Lagen Mammut PES
GTX 2Lagen TNFace
GTX 2LAgen Mammut PA
Tripple Point 1600
Tripple Point 1200
Sympatex Z-Liner auf PA
Sympatex Futterlaminat
Sympatex Z-Liner auf Mikro
Sympatex 2Lagen
Envoy
MPC auf Mikro
MPC auf PA
Finesse/Mikronesse Mikro
Climaguard Mikro
Texapore
Windstopper XCR
Helly Tech
Barbour

* Funktionsmaterialien stehen im Regen *

Die schweizerische Materialprüfungsanstalt EMPA ... hat kürzlich die Ergebnisse einer mehrmonatigen Studie über Funktionsmaterialien vorgestellt. Ziel der Untersuchung war es, Goretex, Sympatex und Co. unter möglichst realistischen Bedingungen zu testen. Zu diesem Zweck wurden weltweit einmalige Einrichtungen geschaffen, wie ein 20m hoher Regenturm, ein Körpertorso mit beweglichem "Schwitzarm" zur Messung der Atmungsataktivität und eine Meßanlage für die Atmungsaktivität [*Aa*] bei Regenbedingungen. Außerdem wurden Walk-Quetsch-Prüfungen (Ruchsacksimulation) ... durchgeführt.

...

Erstmalig haben die Schweizer die bisher als halbwegs realistisch eingeschätzte Hautmodell-Prüfmethode des deutschen Textilforschungsinstituts Hohenstein für Regenbedingungen modifiziert. Das Hohensteiner Hautmodell prüft den Widerstand einer bestimmten Kleidung gegenüber dem auf der Haut verdampfenden Schweiß. Je höher der Widerstand, desto weniger "atmungsaktiv" sind die Textilschichten. Der Test findet in einer Klimakammer mit einer 20x20cm *[!]* großen Meßfläche statt. Die Schweizer haben dem Hautmodell jetzt eine Beregnungsanlage hinzugefügt, konnten also die Atmungsaktivität nicht nur bei Trockenheit, sondern auch bei einsetzendem Regen messen.

...

Praktisch kein Funktionsmaterial liefert bei Nässe noch zufriedenstellende Ergebnisse. Mit Abstand am besten schneidet die Triple Point 1200 Beschichtung von Lowe ab [s.u.], sie verliert nur knapp 16% ihrer Aa. Gore-Tex verliert zwischen 34% und 43%, Sympatex zwischen 31% (Z-Liner) und 70% (2-Lagenkonstruktion). [Anm.: In einer Grafik schneidet Texapore mit 31% als zweitbester ab, dies wird jedoch im Text nicht erwähnt !? ] Besonders schlecht schneiden Helly Tech (Rückgang um knapp 75%), erwähntes Sympatex und Envoy/Pneumatic (..knapp 70%) ab. ..... "Die eindeutigsten Erkenntniss aus unseren Beregnungsversuchen bezieht sich nicht auf die Membran oder beschichtung, sondern auf die Hydrophobisierung des Außenmaterials einer Jacke. Je stärker dort die Wassertropfen abperlten und je länger dieser Effekt nach mehrmaligem Waschen anhielt, desto besser waren die Werte bei Regen. Das Triple Point Material schneidet deshalb so gut ab, weil die herabfallenden Wassertropfen kaum aufgenommen wurden und abperlten", so Markus Weder zu OPN.

...

Wegen der geringeren Aa. und dem bei Regen meist stärkeren Temperaturgefälle zwischen innen und außen verstärken sich Kondensationsvorgänge innerhalb der Jacke. Während das anfallende Kondes bei trockenen Bed. laut EMPA-Studie bei Werten unter 5 gr/qm und Stunde lagen..., erhöhen sich diese Werte bei Beregnung bis um das 15-fache.... ...Wer also outdoors unterwegs ist, kann bei einer 4-stündigen Wanderung durchaus 0,2L (200gr) und mehr Kondensfeuchtigkeit in seiner Jacke vorfinden. "Wir hatten Jacken, bei denen durch das fehlende Innenfutter schon 6gr Kondensfeuchtigkeit sich komplett naß anfühlten. Andere waren mit 20gr vom Gefühl her noch trocken", meint Weder. Im groben Durchschnitt wurden Kondensfeuchtigkeiten zwischen 10 und 60gr als leicht feucht empfunden, Werte darüber als feucht oder naß. .....Viele Outdoorer führten Nässeeinbrüche in ihren Jacken in der Vergangenheit auf die vermeindlich neuralgischen Trägerstellen zurück. Die Wissenschaftler von EMPA haben die dazu die "Walk-Quetsch-Prüfung" eingeführt : auf einer Probenfläche von 400qcm wird das Material mit Wasser übergossen und mit 2 rotierenden Stahlwalzen mit gut 1,5 Kilo Druck durchgewalkt. Sensationelles Fazit : keine einzige Probe war absolut Wasserdicht. Unter Rucksack-Tragebedingungen muß man bei Regen also mit Wassereinbrüchen entlang des Tragesystems rechnen! ...[hier kommen ein paar Werte die ich weglasse]... Bei Regenwanderungen multiplizieren sich diese Werte entsprechend und von "alles trocken", wie eine Gore-Werbung verspricht kann keine Rede mehr sein......

....

Dazu wurde ein Arm-Dummy gebaut, der beheizt werden kann und gleichzeitig transpiriert, wahlweise in Dampf- oder flüssiger Form...... Die Ergebnisse sind deutlich besser als bei der Messung nach dem Hautmodell, was auch an der Temperaturdifferenz von 15 Grad zwischen Arm und Umgebungstemperatur liegt. In der Praxis sind also die Atmungswerte von Jacken günstiger als bisher angenommen - im trockenen Zustand, versteht sich ... neu geschaffenen Regenturm. Dort wurden die Kleidungsstücke einer ziemlich harten Beregnungsprüfung unterzogen: innerhalb einer Stunde ließen die gnadenlosen Eidgenossen 560mm Wasser herabprasseln, das entspricht dem Jahresniederschlag von Karlsruhe. Dennoch blieben einige Jacken dicht. Allerdings dürften hier schnittechnische Merkmale von derart überragender Bedeutung sein, daß an der Undichtigkeit einer Jacke sehr oft der Konfektionär schuld ist und nicht das Material......

.....[Rest weggelassen]...

Und wenn wir schon bei Problemen sind: auch ökologisch konnte keine der 36 Proben bestehen. Die Höchstwerte der schweizerischen Stoffverordnung wurden von jedem irgendwo überschritten, meist waren zu hohe Antimon-, Flour- und Schwermetalle der Grund. Es gibt als noch viel zu tun (rb).

Das wars. Was mir an dem Text gut gefällt ist, das er eine Menge Illusionen aufdeckt. Nicht gefallen mir einige Ungereimtheiten, das der Artikel dem interressiertem Publikum meines Wissens nicht zugänglich gemacht wurde und das über die Ergebnisse der Untersuchungen nicht umfassend berichtet wurde. Auch wird mit keinem Wort erwähnt, das die bemängelten Schadstoffe sich meistens in den hydophoben Ausrüstungen der Stoffe aufhalten. Hinter dem Kürzel (rb) verbirgt sich übrigens Robert Barscher, Chefredakteur Ausrüstungsredaktion der Outdoor.

redaktionell bearbeitet by Th. Frank , 5. Juli 1995