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Bücherbord Alpine Literatur ![]()
Hi.
Nein, keine Tourenbeschreibung diesmal, eher eine gefuehrte Tour durch mein Buecherregal. Was sich da im Laufe meiner Bergbegeisterung angesammelt hat, gleicht allerdings schon ein wenig einem Gebirge im Zimmerformat. Grossformatige Bildbaende neben den kleinen AV-Fuehrern, und auch inhaltlich einige Hoehepunkte, Tiefblicke und eine Menge Taeler. Vielleicht sind ein paar unbekannte Dinge darunter, die dazu anregen, den eigenen Horizont zu erweitern.
Eine systematische Auflistung nach "Bildband", "Kletterfuehrer", etc. moechte ich nicht machen, das waere dann doch ein wenig zwanghaft. Ausserdem moechte ich auch wirklich nicht _jeden_ Schrott beschreiben, der bei mir rumsteht. Aber vielleicht hat der/die eine oder andere ja auch ein paar Lesetips auf Lager, verregnete Wochenenden soll's ja oefters mal geben...
Den Anfang macht Horst Hoefler's "Berchtesgadener Alpen" (Rosenheimer Raritaeten): ein phantastischer Bildband und ein profund recherchierter Ueberblick ueber Kultur, Natur und Klettergeschichte dieser Gebirgsgruppe. Eines meiner Lieblingsbuecher und IMHO das Beste vom Hoefler. Hoefler-Spezl und Bergfuehrer Heinz Zembsch wird allerdings ein wenig oft gelobt, aber was soll's... Nett ist die Auswahl und Beschreibung lohnender "Genuss"-Touren, auch wenn's kein eigentlicher Kletterfuehrer ist.
Ebenfalls vom Rosenheimer Verlag und in gleicher Aufmachung (Grossformat) ist Helmuth Zebhauser's "Chiemgauer Alpen". Ein bebilderter Background zu seinem AV-Fuehrer, unglaublich launig und lesenswert: "Noch verrueckter war vielleicht nur noch der Herr Ingenieuer Max Zeller, der fast senkrechte Rinnen durchstieg, die nur zusammengekleistert zu sein scheinen aus rotem Lehm und gelbem splittrigem Gebruech. Wer durchkam, stiftete im Tal eine Kerze. Gott sei Dank werden seine Routen nicht mehr geklettert." In Zebhauser's AV-Fuehrer liesst man dagegen lediglich das Woertchen "bruechig".
Ja, und dann natuerlich _der_ Klassiker schlechthin: Reinhard Karl's "Zeit zum Atmen" (Alpine Klassiker, Verlag Berg). Ich kenne keinen, dem nicht der Atem stehengebleiben waere. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich ueberlege, in welchem Kapitel _ich_ mich jetzt wohl befinde. Muss.
Ein "seltsames" Buch ist Helmut Schoener's "2000 Meter Fels" (Verlag Plenk). Es koennte den ersten Preis fuer das grauenhaft schlechteste Cover gewinnen - ein angestaubt dunkelgraues Photo der Watzmann-Ostwand auf Babyblauem Hintergrund mit dem "2000" des Titels in knallrotem "Bild"-Lettern. Wer sich aber davon nicht schrecken laesst, bekommt eine praktisch lueckenlose Geschichte dieser Wand: Nicht nur die Erschliessungen durch Kederbacher, Aschauer und Co, sondern auch Geschichten und Berichte von "normalen" Besteigern, eine Chronik aller Unfaelle und viele teils historische Aufnahmen aus der Wand.
"Kletterstories" (Panico-Verlag). Drei Taschenbuecher sind's mittlerweile, und eines ist lesenswerter als das andere. Hier findet man Kletter-Kurzgeschichten mit manchmal literarischem Anspruch, aus allen Kontinenten und immer von Persoenlichkeiten geschrieben. Das sind nicht immer nur die Kletterer, die man aus den Zeitschriften kennt, sondern auch mal vom frustrierten Familienvater und Ex-Kletterer... Auch die Stories selbst sind sehr verschieden, vom free solo Horror ueber Bigwall-Nageleien bis zum Biwak in der Eiswand findet man alle Spielarten des modernen Alpinismus.
AV-Fuehrer (Rother): Was soll man dazu sagen? Beim vergleichenden Durchblaettern und vor allem beim Begehen der Routen wird wieder klar, dass eine Bewertung halt doch immer recht subjektiv ist, in welche Richtung auch immer. Beruechtigt ist Precht (Hochkoenig, Tennengebirge), meistens ok oder mild ist der Zebhauser-Clan (Chiemgauer Alpen, Bayerische Voralpen Ost, Kletterfuehrer Bayerische Voralpen), der Fuehrer "Berchtesgadener Alpen" ist vielleicht ein wenig strenger, aber immer noch ok. Interessant sind auch die Spezialfuehrer, wie der Watzmann-Ostwand Band von Franz Rasp, der bei seiner 295. Ostwand-Tour (Winterbegehung) toedlich abgestuerzt ist, oder auch Horst Hoefler's "Mittelschwere Felsfahrten" (die er aber nicht selber geschrieben hat, sondern von local Heroes gesammelt hat: daher auch z.B. die unmoeglich strenge Bewertung des Tauernkogel-Westpfeilers = A.P.).
Eine besondere Raritaet ist Max Zeller's "Berchtesgadener Alpen". Nein, das ist _nicht_ der AV-Fuehrer, sondern ein Faksimile des ersten Berchtesgadener Fuehrers von 1911, das die Berchtesgadener DAV-Sektion neu herausgebracht hat (bekommt man nur in Berchtesgaden???). Keine UIAA-Schwierigkeiten, aber dafuer halt sehr anschauliche und nett zu lesende Routenbeschreibungen. Was fuer Fans dieses Gebietes und Nostalgiker.
Vielleicht noch eines: Pit Schubert: "Sicherheit und Risiko in Fels und Eis". Das ist _das_ Gruselbuch fuer unsere Gebrauchtseilverwerter, Klettersteigbremsplattennichtversteher und andere sicherheitstechnische Duennbrettbohrer. Aber im Ernst: man entdeckt immer wieder Fehler, die man selber macht und sieht teilweise recht drastisch, wohin Dummheit fuehren kann. Ein Buch das eh' jeder hat und ohne das man mittlerweile gar nicht mehr mitreden kann ("Hast des denn nicht im Schubert gelesen, oder was?").
Oh, fast haette ich's vergessen: die Freunde aus rec.climbing schreiben manchmal sehr gute Stories, da koennen wir noch was lernen.
So, das war's an "literarischem", die Auswahl ist sicher sehr subjektiv und gepraegt von gewissen bevorzugten Klettergebieten. Leider bekomme ich auch keine Kohle fuer die Schleichwerbung und nein, die Firma in der ich arbeite hat auch nix mit Bergbuechern zu tun.
Seil ein, Andreas
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