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Nachtrag zu: Der kleine Unterschied ![]()
Hallo,
Ich moechte hier einige Zeilen wiedergeben, die ich kuerzlich in dem Buch: Paul Preuss, von R. Messner aus der Reiher Alpine Klassiker, Band XX, zum Thema Fauen und Alpinismus gefunden habe. Zunaechst fuerhte Preuss die Hindernisse auf, die ihm von den Muettern der Frauen in den Weg gestellt wurden. Danach zeigte er auf, wie die Tour praktisch durchgefuehrt wurde.
„Wenn also die theoretischen Wege geebnet sind, geht´s an die praktische Durchfuehrung: Ob die Kletterschuhe noch in Ordnungsind, ob die -pardon- Hose es noch aushalten wird, ob die Nagelschuhe nicht zu gross, der Rucksack nicht zu klein ist. Ob auch sonst nichts vergessen wurde, Puderpapier, Kaloderma, Lippenpomade, Koelnerwasser, Rosenoel und Manikuere. Damen verfallen immer in die Extreme: Die eine kann nicht gluecklich werden, wenn sie nicht sieben weisse Blusen fuer zwei Tage im Rucksack -des Herrn- hat, die andere nimmt keine einzige mit! Doch ich will nicht ewig schimpfen und erinnere mich darum dankbar daran, dass Damen gewoehnlich auch viel guten Proviant mitnehmen.
Sodann wird die Tour besprochen: Name und Hoehe des Berges, Bedeutung und Groesse der Tour nach absoluten Massstaeben sind in den Augen der Damen belanglose Dinge; alpine Geographie und Literatur ein spanisches Dorf. Aber viele wichtige Fragen muss man beantworten: „Ist die Tour schon von einer Dame gemacht worden?“ „Wer ist es?“ „Wer hat sie hinaufgezogen?“ „Wie ist sie gegangen?“ „Wie hat er erzaehlt, dass sie gegangen ist?“ „Ist die Tour schwer?“ „Ist die Tour schwerer als die von der Freundin gemachte?“ „Viel schwerer?“ „Sind viele Kamine darin?“ „Ist ein Kamin so eng, dass, wenn eine nicht so schlank wie ich ist, sie nicht hindurch kommt?“ „Ist die Tour so schwer, dass ,der´ mit dem ,die´geht, sie nicht mitnehmen kann?“ „Ist ...?“ Das alles ist ja fuerchterlich wichtig, denn man geht ja nicht zum eigenen Vergnuegen in die Berge, sondern zum Aerger der anderen.
Der Mangel an Orientierungssinn bei den meisten Damen ist staunenswert, und mit einer suggestiven Macht uebertragen sie diesen Mangel sogar auf alle ihre Begleiter. Nur fuenf Minuten braucht eine Dame vorauszugehen, und schon ist der Fahrweg zur Huette verloren, die Markierungen verkriechen sich unter den durchbohrenden Blicken der Damen hinter die Baumrinden, und selbst Telefonstangen verschwinden im Erdboden. ....... Wehe dem Damenfuehrer, der eine Tour mit Einstiegsschinder ausgesucht hat. Gar dann, wenn man die Felsen ueber steilen Schnee oder Eis erreichen muss; die Folgen solchen frevelhaften Beginnens hat jeder nur sich selbst zuzuschreiben.
Nun geht es an das Klettern selbst, und schwerer als fuer das Verhalten der Dame vor der Tour lassen sich dafuer allgemeine Saetze aufstellen. Eine gewisse koerperliche Geschicklichkeit kann man dem weiblichen Geschlecht nicht absprechen. Sie machen ihre Sache gewoehnlich schlecht, aber fast immer grazioes. Fuer das Technische ist ihre Achillesferse - Mediziner moegen den Vergleich verzeihen - die fehlende Armkraft. Zur voelligen Beherrschung des Terains wird ihnen die selige Ruhe und Ueberlegung stets abgehen. Ihrer impulsiven Natur nach klettern sie fast ohne zu schauen, vollkommen ohne zu denken, „sie“ klettern nicht, „es klettert in ihnen“, und wenn „es“ nicht weiter geht, dann wird eben einfach gefragt: „Wie macht man denn die dumme Stelle da?“ Wenn man 30 Meter hoeher oben ist, da soll man immer noch wissen, wo der siebente Griff von unten fuer die linke Hand zu finden war! Was man bei den Frauen im Tal so oft vermisst, in den Bergen kann man es finden: Sie sind hilflos im Fels, darum werden sie folgsam, bemuehen sich manchmal wirklich zu tun, was man ihnen sagt, weshalb Damen oft bessere Tourenbegleiter sind als Herren. .....
Die Benuezung lockerer Griffe ist bei Damen besonders beliebt, und von einer weiss ich sogar, die auf einer neuen Tour mit Vorliebe stets die von mir erbauten, mit Markierungsblaettern versehenen Steinmaenner als Griffe benuetzte in der Meinung, ich wollte ihr mit den roten Zeichen die besten Griffe bezeichnen. Echt weiblicher Leichtsinn drueckt sich in ihrer ganzen weiblichen Gehtechnick aus: mit katzenartigen Bewegungen klettern sie ueber die Waende hinauf, doch wehe , wenn dann im Stemmkamin die Gruendlichkeit in ihr Recht treten soll. Da versagen ihre Kuenste wie ihre Kraefte, und das wenige, was die schlangenartige Biegsamkeit des Koerpers erreichen koennte, wird durch die Unruhe und Hastigkeit der Bewegungen verdorben. Die „Mehlsacktechnik“ wird hier in Reinkultur gezuechtet. Sie lassen sich zwar gerne, aber nicht wiederstandslos ziehen, denn in dem frommen Glauben, den „Auftrieb“ unterstuetzen zu muessen, klammern sie sich mit aller Kraft an vorhandene Griffe an, kriechen unter die tiefsten Ueberhaenge und nuetzen jeden Reibungswiderstand aus, um „dem Herrn dort oben“ die Arbeit zu erschweren. Wenn man nur hinaufkommt! Wie ist ja schliesslich Nebensache.“
Dieser Artikel, den ich hier nur zum Teil wiedergegeben habe wurde 1912 in der Deutschen Alpenzeitung veroeffentlicht. Man koennte meinen, Preuss sei ein Frauenfeind gewesen. Trotz allem, oder vielleicht auch gerade deshalb, war er gerne mit Frauen im Gebirge.
Das Buch ist wirkich lesenswert.
In diesem Sinne frohe Weihnachten und allen ein gutes Neues Jahr.
Michel Burret, BERG HEIL
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