Frau in Gefahr

From: dwabnig@mail.carinthia.co.at (Dagmar Wabnig)
Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Frau in Gefahr
Date: Wed, 06 Nov 1996 17:37:30 GMT
Organization: APAnet

Frau in alpinen Gefahrensituationen

Hallo Freunde ! Nachdem ihr alle so fleissig mitgearbeitet habt -- die Zusammenfassung von "Zum Verhalten der Frau in alpinen Gefahrensituationen"

D. ZUSAMMENFASSUNG

Im Prinzip reagieren die Menschen alle nach dem gleichen Verhaltensmuster in Gefahrensituationen, nämlich einer vermehrten ACTH Ausschüttung, Glucocorticoid - und Adrenalin bzw Noradrenalinausschüttung. Ziel ist es, dem Körper möglichst rasch Energie bereitzustellen, damit er im Sinne von Angriff oder Flucht reagieren kann.

Unterschiede gibt es in der individuellen Bewertung der Gefahr. Dies ist von persönlichen Voraussetzungen abhängig, wie höhere Ängstlichkeit bei Frauen, wieder abhängig vom Hormonzyklus, aber auch durchgemachten Erlebnissen, Erfahrungen, Selbsteinschätzung, Erwartungshaltung, Motivation.

Männer gestehen sicher weniger ihre Angst ein, als Frauen, da in unserem Kulturkreis von Männern erwartet wird, daß sie keine Angst zeigen. Außerdem neigen sie zu erhöhter Aggressivität und Risikoverhalten, insbesondere in der Gruppe der 18 -25 jährigen, was sich auch in der Unfallstatistik wiederspiegelt.

Setzt man die Unfallstatistik in Vergleich zu den Sportausübenden, so zeigt sich folgendes Bild.

Alpinistische Tätigkeit            Unfallstatistik Burtscher
in der Sektion Wolfsberg 1995              1995
 
                        % weibliche Beteiligung

Wandern         49 %                    verletzt         40%
                                        tot (+Herztod)   18%
                                        tot (-Herztod)   25% 
Klettern        18 %                    verletzt         23%
                                        tot              11%   
Schitouren      43 %                    verletzt         22%
                                        tot               5%

Man sieht daraus, daß auch in Relation zu den Sportausübenden noch immer eine deutliche weibliche Unterrepräsentanz besteht, was Verletzte und Tote betrifft.

Dies ist , meiner Meinung nach darin zu suchen, daß Frauen

  1. Sich im allgemeinen weniger in Gefahr begeben als Männer
  2. Eher dazu neigen, rechtzeitig umzudrehen, da das Imponiergehabe geringer ist und auch das Kokurrenzverhalten
  3. Dadurch, daß die Leistungsbereitschaft eher geringer ist, auch weniger schwierige Bergtouren unternehmen .
  4. Vielleicht mehr als Männer in Gedanken Gefahren vorwegnehmen und dann in der Gefahr ruhiger sind. Dies vor allem unter dem Aspekt der größeren Ängstlichkeit, aber auch der größeren Fürsorge.
  5. In Gefahrensituationen im allgemeinen ruhiger reagieren, insbesondere, wenn sie die Verantwortung tragen, im Zusammenhang mit Fürsorge und Brutpflege, bzw Arterhaltung zu sehen.
  6. Eher für Ausdauerleistung von Natur aus geeignet ,auch besser für extreme Temperaturen ausgestattet, durch eine bessere Wärmeisolierung.

Insgesamt muß man jedoch feststellen, daß Untersuchungen in dieser Richtung kaum vorhanden sind und dieser Beitrag ein Denkanstoß und Anregung für weitere Untersuchungen sein soll.

Literatur :

Nochmals Danke! Dax

redaktionell bearbeitet by Th. Frank , 15. November 1996