Route: Galenstock SE-Grat von der Sidelenhuette aus

From: psmue@math.unizh.ch (S. Mueller)
Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Route: Galenstock SE-Grat von der Sidelenhuette aus
Date: 19 Sep 1996 08:41:32 GMT
Organization: University of Zurich, Switzerland


Schrubber (xn@space.wh1.tu-dresden.de) wrote:
: Stattdessen sollten wir uns alle etwas bemuehen unsere
: interessantesten Touren in Kurzform in den Rechner zu haemmern (so wie
: das Andreas Krebs recht vorbildlich macht) und dann hier zu posten. 
: Thomas Frank aus Chemnitz sammelt diese Artikel in seinem Archiv:
: archive.html
: Wer ihm die Arbeit etwas erleichtern will kann sein Posting ja auch
: gleich HTML-formatiert per e-mail an: thomas.frank@franks-alpin.de
: senden.
: Somit waechst nach und nach auch eine ordentliche Bergdatenbank.

In diesem Sinne folgendes :

Route: Galenstock SE-Grat von der Sidelenhuette aus

Gebietsfuehrer :
SAC-Fuehrer Urner Alpen West
Ausgangspunkt :
Furkapass
Besonderes :
Begangen Ende August & Anfang September '96. Sehr kuehler, regnerischer Sommer. Gletscher dick schneebedeckt.
Aufstieg :
Huettenweg Furkapass - Sidelenhuette ca. 1.5 Std. Am Fusse des Grossen Bielenhorns in Richtung S-Wand des Galenstocks queren und durch eines der zwei Couloirs auf die Schulter.

Die Couloirs praesentierten sich wie folgt (beide begangen): Das suedliche Couloir war dick mit Firn gefuellt. Schwierig war der Uebergang vom Gletscher zum Firnhang (Bergschrund dazwischen!). Dieser bildete eine 5m hohe fast senkrechte Firnwand (Eisgeraete mitnehmen oder rechts ueber Felsen an diagonalem Handriss hochklettern, Hex nuetzlich). Im oberen Teil war an einer Stelle der Firn weggeschmolzen: Entweder ueber Geroell links umgehen oder gerade durch eine Rinne mit Wassereis. Ausstieg aus dem Couloirtrichter entweder diagonal rechts (geneigt), oder direkt ueber den senkrechten Rand. Empfehlenswert.

Das noerdliche Couloir war total ausgeapert! Der untere Teil wurde von links unten nach rechts oben erklettert, beginnend an einem feinen Fingerriss (5m ca. IV+) und ueber leicht broeselige, aber feste Felsstufen zu einem Stand auf kleinem Podest (Keile unabdingbar!). (Durch die rechte Begrenzungswand fuehrt auch eine Felsvariante zum selben Stand. Diese schien aber schwieriger.) Von dort im Geroell am rechten Couloirrand hoch zu Stand an den letzten grossen Bloecken und ueber geneigtes Firnfeld auf Schulter. Insgesamt sehr zeitaufwendig und unter diesen Verhaeltnissen wenig zu empfehlen.

Die eigentliche Kletterei fuehrte durch allerbesten Fels und war schneefrei. Alle schwierigen Stellen (jeweils kurze Stellen bis ca. V) koennen rechts umgangen werden (dann bis ca. -IV).

Die Abstiegsroute ueber den NE-Grat war leicht verschneit, jedoch einfach, und zudem bestehen Sicherungsmoeglichkeiten an Eisenstangen. Der Abstieg ueber den Gletscher war reine Sulzrutscherei und ging sehr schnell. Auf markiertem Weg zur Albert-Heim Huette.
Variante :
Von der Schulter direkt zur Huette (ohne SE-Grat) Abstieg ueber steilen Firhang moeglich. Direkt auf Felsinsel zuhalten (oben Querspalten, unten im suedlichen Teil auch Laengsspalten!). Unterer Teil war Blankeis, ca. 40 Grad.
Dauer :
ca. 10 Stunden

Das Ganze ist eine perfekten Kombi-Tour mit allen Schikanen: Gletscherhatsch, Kletterei in steilem und/oder senkrechtem Firn, genuessliche Felskletterei in allerbestem Granit, Blockgratkletterei, Ausstieg ueber Firngrat, Abklettern ueber verschneiten NE-Grat, Sulzrutscherei und Abstieg auf Wanderweg.

Gruss, ps mueller

redaktionell bearbeitet by Th. Frank , 22. Dezember 1996