Tour in den Lechtalern

From: blendi@carlotta.iam.uni-bonn.de (Christoph Blendinger)
Newsgroups: de.rec.alpinismus
Subject: Lechtal (was Re: Ansbacher Huette zur Augsburger Huette)
Date: 10 Sep 1995 11:53:51 GMT
Organization: Inst.f.Appl.Math., University of Bonn

Hallo Wolfgang,

zu Deiner Frage von neulich. In article (423ocm$1f32@info4.rus.uni-stuttgart.de) wolfgang.hokenmaier@isw.uni-stuttgart.de (Wolfgang Hokenmaier) writes:

Ich wollte auch schon lang mal wieder in die Lechtaler. Kennt jemand oestlich der Augsburger eine schoene Tour?

Hab ich einen wenig originellen Vorschlag, immerhin kann ich ihn sehr empfehlen - aber vielleicht kannst Du ihn ja nach Deinem Geschmack modifizieren :

Vor ein paar Jahren war ich mal auf dem oestlichen Teil des Lechtaler Hoehenwegs zu Gange, von der Memminger ueber die Wuerttemberger (nur im Vorbeigehen) und Steinseehuette (Uebernachtung, ziemlich neu, wunderbar gelegen, lohnt fuer stop-over mit extra Tagestouren, etwa Bergwerkskopf, II-III) zur Hanauer Huette (auch nur im Vorbeigehen) und schliesslich zur Muttekopfhuette, ganz klassisch, wie es im AV-Fuehrer oder in div. Pause-Buechern steht. Man startet in Madau und kommt am Hahntennjoch (oder in Imst) wieder raus, zwei volle Tage unterwegs und jeweils ein halber Tag fuer Zu- und Abgang reichen bequem und man nimmt Eindruecke mit, die den ganzen Winter ueber reichen.

Wenn Du nur ein Wochenende hast, kannst Du auch von der Hanauer Huette direkt nach Boden absteigen und zurueck nach Madau/Bach trampen, wenn dort das Auto steht - dann verpasst Du allerdings den in meiner Erinnerung eindrucksvollsten Teil: jenseits des Galtseite-Jochs durch die Kuebelwaende in die Muttekopfscharte, ein einsames, steiniges Hochtal mit viel Wasser und die z.T. versicherte Querung ueber die eigentuemlichen schraegen Baender der besagten Kuebelwaende. Ueber den angeblich aussichtsreichen Muttekopfgipfel kann ich Dir nichts berichten, da damals ein Gewitter kam und Lust und Sicht raubte. Oder wie W. Pause zu diesem Teil schreibt: "Aber auch der Weiterweg zur Muttekopfhuette ueber Galtseitejoch, Kuebelwaende und Muttekopfscharte (von der man in dreissig Minuten zum aussichtsreichen Muttekopf steigt!) ist abenteuerlich genug, und noch der gesicherte Steilabstieg am Drahtseil ins Kar hinab salbt die Nerven."

Wenn mehr Zeit ist, gibt es div. Variationsmoeglichkeiten, im Bereich Steinsee- bzw. Hanauer Huette kann man klettern (die Dremelspitze ist glaube ich sogar eine Pause-Tour "Im leichten Fels") und eine Fortsetzung des Wegs Richtung Anhalter Huette und Heiterwand gilt als lohnend. Im Herbst wuerde ich mich aber vom Hahntennjoch aus eher nordoestlich orientieren, der sog. Anhalter Hoehenweg von der Anhalter Huette nach Elmen ermoeglicht nach je nach Schneelage und Lust so aussichtsreiche Gipfel wie Namloser Wetterspitze, Bschlaber und Elmer Kreuzspitze (auch als Tagestouren von Elmen/Namlos/Bschlabs). Letzteres sind aber nur Empfehlugen aus zweiter Hand, dort war ich nicht selbst.

Wenn Du das ganze vom Inntal aus machen willst, solltest Du in Pians zur Augsburger Huette (mit oder ohne Parseier Spitze, uebrigens der *einzige* 3000er der noerdlichen Kalkalpen) aufsteigen, von dort zur Mindelheimer, dann wie oben und von der Muttekopfhuette nach Imst absteigen.

Zuletzt meine Lechtal-Geheimtips, die zwar vom Lechtal aus gehen - und deswegen fuer Stuttgarter, Ausgburger etc. verkehrstechnisch guenstig sind - aber nominell zu den Allgaeuern zaehlen: die Hornbachkette, incl. Gr. Krottenkopf, mit Stuetzpunkt Hermann-von-Barth-Huette (schoen zum Klettern an den Wolfebnerspitzen) und von Hinterhornbach aus der Hochvogel, geht wegen der Suedlage meist auch noch gut im Oktober/November.

Viel Spass und in der Hoffnung auf ein Lechtaler Echo im Netz.

Christoph

redaktionell bearbeitet by Th. Frank , 5. Oktober 1995