Bergsteigen und Trekking in Ecuador

von Andreas Christophe

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Innerhalb der vergangenen 2 ½ Jahre war ich 5 mal in Ecuador (insgesamt 11 Monate). Während meiner Aufenthalte habe ich zahlreiche Touren in fast alle Regionen Ecuadors unternommen. Dabei habe ich dieses einzigartige Land und seine sehr verschiedenartigen Einwohner kennen und lieben gelernt.

Die meisten Touren habe ich im Hochland unternommen. Ich möchte daher einige Berge des ecuadorianischen Andenhochlands vorstellen. Als Quelle der nun folgenden Ausführungen dienten größtenteils meine eigenen Reiseerfahrungen, aber auch Berichte einheimischer Bergführer.

Ecuador - Natur pur

Ecuador bietet seinen Besuchern eine weltweit einmalige Vielfalt von Naturerlebnissen! Wo sonst auf der Welt findet man Dschungel, Hochgebirge mit Gipfeln bis zu 6300m, traumhafte tropische Küsten und ein Tierparadies wie die Galápagosinseln auf so kleinem Raum. Da solch unterschiedliche Regionen meist in völligem Gegensatz zueinander stehen, ist der fließende Übergang dieser Regionen die herausragende Besonderheit Ecuadors.

Der Besucher hat hier die einmalige Gelegenheit, während einer Reise per Kanu durch die Flußlandschaft des oberen Amazonasbeckens zu fahren, einen 6000er zu besteigen, an tropischen Stränden zu faulenzen und bei einer Minikreuzfahrt die einmalige Tierwelt von Galápagos kennenzulernen!

Schon seit vielen Jahren kommen Bergsteiger und Trekkingfreunde aus der ganzen Welt nach Ecuador, da sie hier optimale Bedingungen für ihr Hobby finden.

Quito und sein Hausberg Pichincha

Quito ist mit 2800 m die zweit höchste Hauptstadt der Welt und die Akklimatisierung beginnt daher bereits bei der Ankunft. Dennoch sollte man eine körperliche Betätigung in der Natur dem Großstadtsightseeing vorziehen oder zumindest beides verbinden, wie wir es taten. Eine Tour auf den Hausberg Quitos, den Pichincha bietet sich wegen seiner Nähe und guten Zugänglichkeit an. Diese Trekkingtour mit kleinen "Klettereinlagen", bei der man auf so manchen fotogenen "Leckerbissen" trifft, hilft dem Körper seine weitere Akklimatisierung zu beschleunigen. Der beeindruckende Panoramablick herab von den Gipfeln des Pichincha (Guagua und Rucu), über die weiten fruchtbaren Täler, die zahlreichen Gipfel der Anden-Kordilleren und das im Tal eingebettete Quito gibt einem einen guten ersten Einblick in die Geographie Ecuadors.

Tourenbeschreibung Rucu-Guagua Trek:

Früh morgens verließen wir Quito per Auto und machen uns auf den Weg zur 4300 Meter hoch gelegenen Schutzhütte am Fuß des Guagua Pichincha. Wir ließen dort unser Gepäck zurück und bestiegen den Gipfel (4794m). Danach stiegen wir in den 15 Minuten von der Hütte entfernten Krater hinab. Mutige können hier auch ihr Zelt aufschlagen, was besonders reizvoll aber auch gefährlich ist, denn vor einigen Jahren fanden hier 2 kampierende Wissenschaftler bei einem Miniausbruch den Tod. Die Nacht verbrachten wir im refúgio. Die Höhe war doch noch etwas ungewohnt, dementsprechend unruhig war die Nacht.

Wir brachen früh auf und wanderten über einen Grad am Padre Encantado vorbei, zum Rucu Pichincha, dessen Gipfel wir anschließend erklommen (4770m). Danach begaben wir uns bergab Richtung Cruz Loma (3800m) -auch Antennenberg genannt, da sich hier eine militärische Fernmeldestation befindet-, wo die Wagen warteten, um uns zurück nach Quito zu bringen.

Chimborazo

Mit 6310 m ist der Chimborazo nicht nur der höchste Berg Ecuadors, sondern vom Erdmittelpunkt aus gemessen auch die höchste Erhebung der Welt (wegen der Äquatorialkrümmung des Globus). Dieser massive, mit 5 Gipfeln bezackte Vulkanberg gelegen in der östlichen Anden-Kordillere, ist sowohl von Kolumbien im Norden, wie auch von der südlich gelegenen peruanischen Grenze zu sehen - selbst weit draußen auf dem Pazifik erkennt man noch seine Silhouette. Der Chimborazo zeigt sich weitaus komplexer als andere Berge seiner Art. Durch seine vielen unterschiedlichen Gesichter bietet er allen Alpinisten (dort andinista, wegen der Anden) eine Vielzahl von Herausforderungen. Für Experten besonders erwähnenswert ist der Thielmann-Gletscher und für Extrembergsteiger der "Integral de Chimborazo", die Komplettübersteigung aller 5 Gipfel die meines Wissens nach überhaupt erst 4 mal gelang.

Alexander von Humboldt, dessen Versuch den Berg zu besteigen im Jahre 1802 scheiterte, hielt ihn sogar für den höchsten Berg der Welt (bis zur Entdeckung des Mount Everest 50 Jahre später eine allgemein anerkannte Ansicht). Erst 1880 gelang dem bekannten Bergsteiger Edward Whymper die Erstbesteigung. Seine Route war noch bis vor wenigen Jahren die Standardroute, wird aber inzwischen nicht mehr benutzt (zu gefährlich wegen Steinschlag). Von den zahlreichen möglichen Routen ist heute die Route über die Südflanke die am weitaus häufigsten gegangene.

Diese Route ist sehr abwechslungsreich, da man bei einer Steigung von 25-40 Grad, sowohl Geröllfelder, als auch hartes Gletschereis und weichere Schneeabschnitte bewältigen muß. Das Gipfelkratergebiet ist enorm groß und oft von weichem Schnee bedeckt. An klaren Tagen ist der Panoramablick auf die vielen anderen ecuadorianischen Gipfel einfach unglaublich. Durch die große Höhe des Berges, die wunderschönen Ausblicke während des Aufstiegs und die Möglichkeit verschiedene Klettertechniken einzusetzen zählt die Besteigung des Chimborazos mit Sicherheit zu den weltweit reizvollsten alpinen (andinen) Herausforderungen, sowohl für angehende, wie auch für erfahrene Bergsteiger!

Tourenbeschreibung:

Von Quito aus fuhren wir südlich die Avenida de los Volcanes entlang, bis wir nach etwa 4 Stunden Fahrt die unwirklich anmutenden Berglandschaften um den Chimborazo erreichten. Hier schlugen wir unser Lager auf und unternahmen eine kleine Wanderung durch diese wüstenähnliche Mondlandschaft, bei der wir eine der dort weidenden Vicuña-Herde (Lamaart) beobachten konnten. Nach dem Frühstück fuhren wir hoch zur ersten Schutzhütte Hermanos Carrel (4800m) von wo aus wir ca. 30 Minuten zur 2. Schutzhütte Whimper (5000m) aufstiegen. Der eigentliche Aufstieg begann schon um Mitternacht. Den Gipfel (6310m) erreichten wir nach 8 Stunden. Um 13 Uhr waren wir völlig erschöpft wieder unten. Um so angenehmer war das relaxende Bad in den heißen Quellen La Delicia (45 Minuten von der 1. Schutzhütte), nach dem wir uns dann auf den Rückweg nach Quito machten.

Carihuayrazo

Dieser Berg mit seiner unverwechselbaren Silhouette (2 Spitze Gipfel) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Chimborazo. Die ihn umgebende Landschaft ist sehr malerisch und die Weite des Landes wird einem hier in besonderem Maße bewußt.

Tourenbeschreibung (von den guías von ANDISIMO, Quito):

Von Quito aus fährt man südlich die Straße der Vulkane entlang, bis zum Rio Blanco. Dort erwarten einen bereits die Maultiere, welche das Team bis zum Basiscamp (4 Stunden Marsch) begleiten. Der Aufstieg beginnt um 5 Uhr morgens und man kann den 5020 Meter hohen Gipfel des Carihuayrazo nach etwa 3 Stunden erreichen. Dort erwartet einen ein traumhafter Blick auf den Chimborazo und die umliegenden Täler. => Trotz seiner Attraktivität wird der Carihuayrazo nur selten in Angriff genommen. Wer die Einsamkeit sucht ist hier richtig, denn hier trifft man auch zur Hochsaison keine andere Gipfelgruppe.

Cotopaxi

Der Cotopaxi Nationalpark

Der Cotopaxi ist mit seinen 5897 Metern der höchste aktive Vulkan der Welt! Er liegt inmitten des schönen Cotopaxi-Nationalparks, den noch drei weitere Gipfel überragen, der des Ruminahui, des Sincholagua und des Quilindana. Der Park befindet sich in der östlichen Anden-Kordillere, in die man vom fruchtbaren Tal aus einfährt. Im Park selber findet man sowohl große Pinienwälder, als auch trockeneres, offenes Grasland, auf dem sich Wildpferde und Lamas angesiedelt haben. Mit etwas Glück kann man auch einen Andenfuchs vorbeihuschen sehen oder sogar einen scheuen Puma zu Gesicht bekommen (wir haben leider nur frische Pfotenspuren entdeckt). Die Tierwelt im Park ist gut entwickelt, insbesondere Ornithologen kommen auf Ihre Kosten. Neben zahlreichen kleineren Vogelarten kreist auch der Andencondor hoch in den Lüften. Er hat hier im Nationalpark eines seiner letzten Rückzugsgebiete.

Das 34.000 ha große Gebiet um den Cotopaxi (seit 1975 Nationalpark) ist sowohl für Tagestouren, wie auch für mehrtägige Páramo-Wanderungen ein ideales Ziel. Erwähnenswert ist, daß der Park einem, vom WWF (World Wide Fund for Nature) unterstützten, Management unterliegt. Ziel des Parkmanagements ist eine Erschließung des Parks für Naturliebhaber bei gleichzeitiger Erhaltung des einmaligen Ökosystems.

Die Besteigung der perfekten, schneebedeckten "Pyramide" des Cotopaxi ist aus technischer Sicht als einfach zu bezeichnen. Zuerst wandert man einen eisfreien Hang hinauf, dann folgen einige ebenmäßige schnee-, und eisbedeckte 30-35 Grad Anstiege, bis man schließlich auf 5180 m den Gletscherrand erreicht. Dann folgt ein etwas komplexeres Stück Gletscher. Hier sichert man sich an möglichen Schneebrettern vorbei, umgeht große Gletscherspalten und steigt gelegentlich anzutreffende steile Hänge herauf. Auf dem Weg durch das Gletscherfeld passiert man Eishöhlen mit 2 Meter langen Eiszapfen und den Fuß der imposanten, 122 m hohen Felswand Yanasacha (quichua: wilder schwarzer Ort). Die Wand wird westlich umgangen, es folgt ein 35-40 Grad Anstieg zum oberen Gletscher. Von dort aus folgt man nur noch einem Grad, der einen schließlich auf den zweit höchsten Gipfel Ecuadors führt.

Auf dem letzten Stück des Aufstiegs bietet sich ein traumhafter Anblick, wenn das Licht der Morgendämmerung auf dem frischen, trockenen Pulverschnee funkelt und die bizarren, kronleuchterähnlichen Eisformationen langsam aus dem Dunkel auftauchen. Nach und nach öffnet sich dem Betrachter der atemberaubende Ausblick auf das Amazonas-Tiefland im Osten, angeleuchtet von der aufgehenden Sonne, die den Himmel in bunte Farben taucht. Wenn das Wetter es gut meint, erschließt sich ein sagenhafter Rundblick auf das Zentrale Hochland und 9 weitere Gipfel: Chimborazo, Antizana, Iliniza und Cayambe scheinen zum Greifen nah zu sein. Doch auch bei nicht ganz klarer Sicht wird man ein unvergeßliches Bild mit nach Hause nehmen: Der tiefe Einblick in den 300 m tiefen, leicht dampfenden Gipfelkrater.

Tourenbeschreibung:

Morgens wurden wir von unserem Hotel abgeholt und fuhren etwa 2 Stunden die Panamericana hinunter zum Cotopaxi Nationalpark, wo wir unser Camp an der Laguna de Limpiopungo (3820m) aufschlugen. Von hier aus starten wir eine Tagestour, die uns quer durch das Valle del Silencio (= Tal der Stille) zum Fuße des Rumiñahui (4200m) führte. Bei unserer Rückkehr erwartete uns bereits ein köstliches, von unserer hübschen Köchin Tannia zubereitetes Abendessen im Schatten des Cotopaxi. Am nächsten morgen wanderten wir zum Schutzhüttenparkplatz (4600m), nahmen dort unser Gepäck auf und stiegen etwa 45 Minuten zur 4800m hoch gelegenen Schutzhütte José Ribas auf. Danach wurden wir im Rahmen eines "Crash-Kurses" nochmals mit der Ausrüstung und mit den grundlegenden Aufstiegs- und Sicherungstechniken vertraut gemacht.

Unser Aufstieg zum Gipfel (5897m) begann um 1 Uhr. Unser Ziel erreichen wir nach etwa 6 Stunden. Der atemberaubende Anblick der aufgehenden Sonne vor den umliegenden Bergen hat uns die Strapazen schnell vergessen lassen. Nach dem 4 stündigen Abstieg rasteten wir ein wenig und wurden dann zurück nach Quito gefahren (trotz der holprigen Fahrt schliefen wir wie die Engelein).

Cayambe

Der dritt höchste Berg Ecuadors befindet sich etwa 40 km nordöstlich von Quito. Der Cayambe liegt direkt auf der Äquatorlinie und schaut mit seinen 5790 Metern auf den nah gelegenen 3485 m hohen Vulkan Reventador (wegen seiner regelmäßigen Ausbrüche auch unter seinem Spitznamen "The Exploder" bekannt) und das östlich von ihm liegende Amazonasbecken hinab. Der lange Gletscher des Cayambe zählt zu den aktivsten aller äquatorialen Eisflüsse und stellt aufgrund seiner abwechslungsreichen Gletscherstruktur einen ausgezeichneten Trainingsgrund dar.

Tourenbeschreibung (von Paco Cortez, Quito)

Von Quito aus fuhren wir Richtung Norden durch hohes Grasland mit seinen Wildblumen, Alpacas und weidenden Schafherden. Auf dem Weg zum Berg besuchten wir das nah gelegene Äquatordenkmal. Nach ca. 3 Stunden erreichten wir unser Ziel: die Schutzhütte Picos Jarrín (4600m) am Fuß des Cayambe. Nach dem Abendessen bliebt noch reichlich Zeit zum Ausruhen und für einen Ausblick auf die bizarre Landschaft und den schönen Gletscher Hermoso.

Unser Aufstieg begann um 1 Uhr und wir erreichten den höchsten Gipfel (5790m) um 8 Uhr. Die Äquatorlinie verläuft fast genau durch diesen Punkt, damit ist der Cayambe-Gipfel die weltweit höchste Erhebung auf dem Äquator. Nach dem Abstieg (4 Stunden) aßen wir zu Mittag, ruhten uns etwas aus und wurden dann nach Quito zurückgefahren.

Die Aufstiegsrouten sind rein technisch gesehen nicht besonders schwierig, aber die, durch die Häufigkeit und die Größe der Gletscherspalten erschwerte Wahl der Route, machen diesen Aufstieg so außerordentlich interessant. Die ersten vier Stunden des Aufstiegs bewegt man sich über einfaches Gebiet bis zu einem Sattel, hinter dem es dann steiler und aufregender wird. Hier muß man große Spalten umgehen, die durch riesige Eiszapfen, welche von ihren Seiten herabhängen, beeindrucken. Auf dem Weg in Richtung Kraterrand (die Steigung beträgt etwa 35 Grad, vereinzelte kurze Abschnitte sind auch steiler) passiert man einige spektakuläre Firnblöcke. Das letzte Stück zum Gipfel bildet ein sehr fotogener Pfad genau am eisüberzogenen Rand des Vulkankraters entlang. Dies ist ein angemessen "dramatisches" Ende einer durch und durch abwechslungsreichen und landschaftlich beeindruckenden Besteigung.

Antizana

Der Antizana gehört zu den abgelegen Bergriesen Ecuadors. Er erhebt sich 5705 m hoch am äußeren Ende der östlichen Kordilleren, nordöstlich des Cotopaxi-Nationalparks. Wegen seiner Lage schneit es an ihm deutlich mehr als an den anderen Gipfeln. Folge davon ist der große, sehr aktive Gletscher, der weltweit die größten äquatorialen Schnee- und Eismassen aufweist. Die daraus resultierenden Herausforderungen, bezüglich der Routen und der erforderlichen Eisklettertechniken, machen die Besteigung des Antizana zu einer der attraktivsten und lohnendsten Besteigungen in den nördlichen Anden.

Ungeachtet seiner spektakulären Erscheinung und der Qualität seiner Routen wurde er bisher nur selten in Angriff genommen. Der eine Grund dafür ist, daß es keine ständig "begehbare" Route wie bei anderen Eisfeldern gibt (=> setzt Kenntnis im Eisklettern voraus). Der andere Grund ist, daß die Besitzer der umliegenden Haciendas nur selten den Zugang zum Berg erlauben, hauptsächlich um ihre Herden und die hier lebenden Wildtiere (u.a. Hirsche, Füchse, Wildpferde, Wildschweine, Condore, Kolibris) vor Störungen zu bewahren. Zweifellos bietet die Besteigung des Antizana dem erfahrenen Bergsteiger ein andines Abenteuer erster Güte.

Tourenbeschreibung (von den guías von ANDISIMO, Quito):

Antizana - normaler Gipfel

Von Quito aus fährt man per Jeep zum Basiscamp. Da die "Straße" in sehr schlechtem Zustand ist fängt das Abenteuer schon mit der Anfahrt an. (Es kann auch nötig werden, den Weg per Pferd fortzusetzen). Am Camp angekommen, checkt man die Konditionen am Berg und sichtet mögliche Routen. Der Aufstieg beginnt um 2 Uhr nachts. Den Gipfel (5705m) kann man nach 8 Stunden erreichen. Der Abstieg dauert in der Regel 3 Stunden.

Antizana - Süd Gipfel

Von Quito aus fährt man Richtung Pintag und von dort aus zum Campamento Gabrielino am Fuß der Südwand. Der Aufstieg beginnt um 2 Uhr nachts. Man benötigt etwa 10 Stunden bis zum Gipfel (5670m) - über Gletscherkämme, Spalten und Firnblöcke hinweg: eine der schwierigsten Routen des Landes. Der Abstieg wird dann etwa 5 Stunden dauern.

Für beide Touren gilt:

Iliniza

Der "Zwillingsberg" Iliniza (so genannt wegen der beiden sich gegenüberstehenden Gipfel) befindet sich in der westlichen Kordillere, fast genau dem Cotopaxi (östliche Kordillere) gegenüberliegend. Der Südgipfel des Iliniza (5263m) stellt einen der am schärfsten umrissenen Gipfel der nördlichen Anden dar. Wegen seiner guten Zugänglichkeit und seiner attraktiven Routen bietet er einem die seltene Möglichkeit zu einer wenig zeitintensiven Besteigung eines schneebedeckten 5000ers. Die Steilheit der Aufstiegslinie gibt einem die Gelegenheit, seine Fähigkeiten im Gletschergehen sowie im Schnee-, Eis- und Felsenklettern zu erproben. Da die Routen von Anfang bis Ende sehr abwechslungsreich sind, ist der Iliniza bei passionierten Bergsteigern (einschließlich der einheimischen Bergführer) sehr beliebt. - Der mit 5125 m etwas kleinere Nordgipfel ist durch eine wenig technische "Felskletterei" leicht zu bewältigen und wird daher in der Regel noch der Akklimatisierungsphase zugerechnet. Zu erwähnen bleibt noch, daß der Berg samt all seiner Routen sehr fotogen ist.

Tourenbeschreibung:

Von Quito aus fuhren wir südlich die Straße der Vulkane entlang, bis wir nach etwa 2 Stunden Fahrt durch traumhafte Berglandschaften gegenüber des Cotopaxi-Nationalparks einen Platz namens Virgen (4000m) erreichten, wo wir unser Lager aufschlugen. Den Rest des Tages nutzen wir für eine kleine Erkundungstour in die nähere Umgebung, die anderen beiden Teammitglieder trainierten mit einem unserer Führer (Gabriel) die benötigten Aufstiegstechniken. Am nächsten Morgen folgten wir den Packtieren auf dem etwa 3 stündigen beschwerlichen Weg hoch zur Iliniza-Schutzhütte (4600m). Nach einer kurzen Pause stiegen wir hoch zum Nordgipfel des Iliniza (5125m), wofür wir etwa 2 weitere Stunden benötigen. Den Rest des Tages ruhten wir uns aus und gingen früh "zu Bett". Unser Aufstieg zum Südgipfel begann um 3 Uhr. Nach gut 3 Stunden erreichten wir mit 5260 m den höchsten Punkt. Logischerweise war der Aufstieg wegen seiner relativen Kürze nicht ganz so anstrengend, aber ich als "fortgeschrittenem Anfänger" habe hier erstmals erfahren das Bergsteigen mehr ist als "nur" einen Gletscher hochzuwandern - einfach toll! Nach dem Abstieg packten wir unsere Sachen und aßen zu Mittag, bevor wir uns auf den Weg nach Baños zur Besteigung des Tungurahua machten.

Tungurahua

Der 5016 m hohe Tungurahua ist einer der drei im wunderschönen Sangay-Nationalpark gelegenen Vulkane. Er liegt direkt über dem beliebten Badeort Baños. Dabei liegt die westliche Flanke des Tungurahua, von der aus aufgestiegen wird, noch im Hochgebirgsteil der Anden-Kordillere, während seine östliche Flanke bereits halb im Dschungel liegt - eine wahrhaft einmalig exotische Lage. Der Aufstieg an sich ist technisch nicht schwierig, nur auf den letzten Höhenmetern braucht man die Hilfe von Steigeisen und Eispickel - der Aufstieg ist jedoch sehr steil!

Tourenbeschreibung:

Vom Iliniza aus fuhren wir wieder auf die Panamericana, dann weiter Richtung Ambato, wo wir nach Osten abbogen - direkt auf Baños und den Tungurahua (der leider im Nebel lag) zu. Nach 2 Stunden Fahrt erreichten wir endlich den schönen "Badeort" Baños (1800m), der sowohl bei Einheimischen, als auch bei Touristen wegen seines angenehmen Klimas und seiner heißen Quellen sehr geschätzt wird - für mich persönlich ganz klar die angenehmste und am schönsten gelegene Ortschaft des gesamten Hochlands. Wir waren in einem schönen Hotel direkt an einem rauschenden Wasserfall untergebracht und beendeten den Tag mit Relaxen im Pool und einem Besuch im türkischen Bad (um geschockte Blicke zu vermeiden, sollte man beachten, daß man in Ecuador mit Badehose in die Sauna/türkisches Bad geht). Für den nächsten Tag hatte unser Führer eine Tour zu einigen Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung von Baños geplant, so unternahmen wir u.a. eine legendäre Mountainbikefahrt in Richtung Puyo. Entlang der wirklich einmaligen "Straße", die parallel zum Río Pastaza verläuft, trifft man auf unzählige Wasserfälle, die sich teilweise quer über die "Straße" ergießen. Einige besonders schöne nahmen wir etwas näher unter die Lupe, wobei der wohl beeindruckendste "la cascada del diabolo" hinter Río Verde war. Bei dieser faszinierenden Tour ändert sich die Landschaft auf nur 35 km von Andenhochland (1800m) zu Dschungel (200m)! Für den Rückweg nach Baños (bergauf) nahmen wir ganz bequem den Bus (die Bikes oben drauf). Abends wollte ich es mir nicht nehmen lassen eine der typischen Gerichte der indígenas (Indios) zu probieren, nämlich cuy => Meerschweinchen (mit Yuka und Erdnußsoße). Den ein oder anderen würde es dabei vielleicht den Magen umdrehen, aber das wäre wohl rein psychologischer Natur (nebenbei gesagt: ich hatte als Kind auch mal eins). Mein subjektiver Eindruck: cuy schmeckt ausgezeichnet, krosse Haut wie bei Spanferkel, das Fleisch zart wie Hühnchen und mit einem Hauch von Wildgeschmack. Doch auch für "typisch deutsche" Gaumen ist Baños ein kulinarische Oase: gleich mehrere kleine Restaurants, von deutschen "Aussteigern" geführt, bieten alles was das Herz begehrt. Nirgends in Ecuador ißt man so heimisch und so gut wie in Baños! Man sehe mir diesen kurzen Ausbruch von kleinbürgerlichen "kulinarischen Nationalismus" nach, aber nach 10 Wochen ecuadorianischem Essen weiß man die deutsche Küche wirklich zu schätzen.

Nun aber zum Aufstieg: Am nächsten Tag fuhren wir einen sehr holprigen Weg hoch zur Pondoa, der Kontrollhütte am Eingang zum Nationalpark. Hier luden wir unsere Ausrüstung auf Packtiere und folgten ihnen und ihren "Treibern" auf dem 3 ½ stündigen Marsch zur Schutzhütte (3800 m). Hier erwartete uns ein erster toller Ausblick auf den Sangay-Nationalpark (Parkbeschreibung siehe unter Sangay weiter unten). Nach einem sehr früh morgendlichen Frühstück stiegen wir etwa 5 Stunden zum Gipfel (5016m) dieses Vulkans (2 schneebedeckte Krater) auf, von wo aus wir die Einmaligkeit des Nationalparks bestaunen können: Dschungel im Osten und Schneeberge im Süden und Westen. Zurück in der Schutzhütte blieb uns nur wenig Zeit zum Ausruhen, da die Mulis bereits warten, um unser Gepäck zur Pondoa zurückzubringen. Schließlich wieder zurück in Baños, blieb uns der Rest des Tages, um uns wieder in Sauna und Schwimmbad von den Strapazen zu erholen. - Durch und durch eine tolle Tour!

El Altar

Der Altar ist ohne Zweifel einer der schönsten Berge der Welt. Einst Ecuadors höchster Vulkanberg mit weit über 6000m und einem Durchmesser von 8 km sprengte ein gewaltiger Ausbruch die Mitte des Berges mitsamt großen Teilen der Westseite weg. Dadurch bildete sich ein enormer Kegel mit neun verschiedenen Gipfeln, in einem Halbkreis angeordnet, und einem langen nach unten hängendem Gletscher zwischen ihnen. Diese einmalige Konstellation gab dem Berg seinen Namen: der Altar.

Primäres Ziel der meisten Besteigungen ist der höchste der neun Gipfel El Obispo (= der Bischof). Da einige der anderen Spitzen bisher erst 2-3 Besteigungen zu verzeichnen haben, bleiben noch viele neue Routen zu entdecken! => Eine spektakuläre Tour zu einem der exotischsten Punkte in den gesamten Anden. Nichts für Anfänger!

Tourenbeschreibung (von Paco Cortez, Quito):

Wir starteten morgens in Quito und fuhren die Straße der Vulkane in Richtung Riobamba. In der Nähe von Chaniag, einer kleinen Stadt, schlugen wir unser 1. Lager auf. Nach dem Frühstück brachten uns Pferde in die Nähe des Camps Italiano. Das letzte Stück bis zum Lager gingen wir dann zu Fuß (ca. 1 Stunde). Im Lager angekommen checkten wir die Route für den nächsten Morgen. Unser Aufstieg begann um 3 Uhr. Nach 10 Stunden erreichten wir den 5311 Meter hohen Gipfel. Wir verbrachten "leider" etwas zuviel Zeit auf dem Gipfel, so daß wir beim Abstieg das Lager nicht mehr erreichen konnten und daher am Fuß des Berges biwakieren mußten. Bei Sonnenaufgang trotteten wir zurück zum Lager. Nach dem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Chaniag, wo bereits die Jeeps warten, um uns nach Quito zurückzubringen. Ein unbeschreiblich schönes andines Abenteuer!

Sangay

Sangay-Nationalpark

Der Sangay-Nationalpark hat eine Fläche von 517 725 ha und gehört zu den sehr schlecht zugänglichen Gebieten Ecuadors. Im Park liegen der Tungurahua (5016m), El Altar (5404m) und der rauchende Vulkan Sangay (5230m). Im Osten verliert sich der Park im Regenwald des ecuadorianischen Oriente, während er sich im Westen über die östliche Andenkordillere mit den drei oben genannten Vulkanen ausdehnt. Der Park ist durch seine wilde zerklüftete Landschaft, durch eine hohe Feuchtigkeit (bis 4000mm Niederschlag pro Jahr) und durch seinen großen Artenreichtum (z.B. Puma, Jaguar, Bergtapir, Andenbären) gekennzeichnet. Aufgund der Einmaligkeit der Flora und Fauna in diesem Gebiet, wurde dem Park 1983 von der UNESCO der Status "Naturerbe der Menschheit" verliehen.

Sangay Expedition

Der Sangay liegt inmitten des Regenwalds und gilt wegen seiner regelmäßig wiederkehrenden Eruptionen als aktivster Vulkan Südamerikas. Die Expedition erfordert mindestens 10 Tage (es können aber auch schnell 12-13 Tage daraus werden), da der Sangay in einer unzugänglichen Region, am südlichen Rand des gleichnamigen Nationalparks liegt. Darüber hinaus verhindert manchmal der durch Regen aufgeweichte Boden ein zügiges Vorankommen. Ehe man vom Fuß des Berges aus in kältere Regionen aufsteigen kann, muß erst ein gutes Stück des feucht-heißen Amazonastieflands durchquert werden. Es steht außer Frage, daß diese Expedition wohl das Abenteuerlichste ist, was Ecuador zu bieten hat! Die Tour lohnt sich selbst dann, wenn man den Aufstieg zum Kraterrand später nicht wagt. Interessierte mögen jedoch bedenken, daß diese Expedition besondere Ansprüche an die körperliche Fitneß und die mitgeführte Ausrüstung stellt und in keinster Weise mit anderen kombinierten Bergtouren zu vergleichen ist.

Tourenbeschreibung (von den guías von ANDISIMO, Quito):

Von Quito aus fährt man das große Hochlandtal in südlicher Richtung hinunter. Nach 4 Stunden Fahrt erreicht man den Lagerplatz bei Alao, einer kleinen Stadt in der Nähe von Riobamba. Hier trifft man sich mit dem Pferdeführer und dem Koch. Am nächsten Morgen kommen die Packpferde, welche das Team auf dem nun folgenden Trek begleiten. Der Weg führt zuerst nach Culebrillas, wo man sein zweites Lager aufschlägt. Am darauffolgenden Tag wandert man durch weite Páramolandschaften (Páramo= hartes Andengras) mit einigen sumpfähnlichen Abschnitten (ohne Gummistiefel geht hier nichts). Den nächsten Lagerplatz findet man an einer Stelle Namens Yanayacu. Am vierten Tag führt der Trek über eine Bergkette zum Basislager namens Campamento de la Playa (= Lager am Strand). Es dauert ca. 8-10 Stunden, diese bergige, flußdurchschnittene Landschaft zu durchqueren - bei starkem Regen schwellen jedoch die Flüsse enorm an, was oftmals jedes Weiterkommen unmöglich macht. Vom Campamento de la Playa aus wird ein Erkundungsvorstoß gewagt, der vor allem dazu dient die Aufstiegsrisiken einzuschätzen. Darüber hinaus werden dabei die ersten Markierungen gesetzt und ggf. bereits die Gletscherausrüstung auf halbem Weg deponiert. Wenn alles glatt geht kann man am 6. Tag den Gipfel in Angriff nehmen. Ob man den 8-stündigen Aufstieg bis zum Gipfel des rauchenden Sangay (5230m) an diesem Tag wagt wird von der Intensität der vulkanischen Aktivität abhängen. Der Aufstieg an sich ist technisch einfach und beginnt mit der Durchquerung großer Geröllfelder mit teils riesigen Lavabrocken. Jeder Schritt will hier gut überlegt sein, denn die Asche und das Vulkangeröll bieten kaum Halt. Anders als bei anderen Besteigungen darf man hier nicht als Seilschaft gehen, damit man ggf. den "vulkanischen Bomben" ausweichen kann, ohne die Kameraden mitzureißen. Am Kraterrand angelangt, steigt einem der Schwefelqualm in die Nase - aber man steht ja immerhin auch auf dem aktivsten Vulkan Südamerikas! Nach nur kurzem Aufenthalt in dieser lebensfeindlichen Umgebung sollte man sich auf den Abstieg machen, der etwa 4 Stunden dauern wird. Für den Rückweg nach Alao sollte man weitere 4 Tage rechnen.

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Wer noch Fragen zu den oben beschriebenen Touren oder zu Ecuador im allgemeinen hat, darf mir gerne eine e-mail schicken.

© by Andreas Christophe ; leicht überarbeitet by Th. Frank , 2. Januar 1996